Sibirien, eine Fahrt in‘s Blaue
Februar 20, 2012 Hinterlasse einen Kommentar
Bericht einer ungewöhnlichen Reise vom 16.06.2011 bis 23.07.2011 von und mit Sieglinde Helbig und Hansjörg Eisele
1. Teil Das stille Dorf am Oljokma
Auslöser für die absolut ungewöhnliche Reise war die Paddelfreundschaft mit Karin Haß, die bei einer Paddeltour auf dem Fluss Oljokma in Sibirien das Dorf Srednaja Oljokma kennenlernte und beschloss, dort 8 Monate zu leben, um die Natur und Menschen kennenzulernen. Dabei verliebte sie sich in Slava, einen sibirischen Taigajäger, den sie letztendlich zwei Jahre später heiratete und seitdem dort lebt. Sie hat ein Buch geschrieben und ein Fernsehteam vom NDR hat vor Ort einen Film über ihr neues Leben in Sibirien gedreht und ausgestrahlt. Meine Frau und ich beschlossen, sie in dem einsamen Dorf zu besuchen.
Über das Reisebüro Go East buchten wir den Flug, Zugreise, Übernachtung bei Gastfamilien und Bootsfahrten.
Mit dem ICE ging es am 16.06.2011 nach Frankfurt, der Flug von Frankfurt nach Krasnojarsk mit Zwischenlandung Moskau verlief planmäßig. Nach der Ankunft gegen 8.00 Uhr auf dem 40 km vom Stadtzentrum entfernten Flughafen wurden wir von einem Taxi zu unserer Gastfamilie inmitten der Stadt gefahren. Die im 10. Stock eines großen Blocks wohnende englisch sprechende Lehrerin und Gastgeberin wies uns unser Zimmer zu und gab uns Ausflugstipps für den Tag. Zu Fuß erkundeten wir die ehemals für Ausländer verbotene Stadt bei 30 Grad Hitze. Nach einem Museumsbesuch wanderten wir zunächst entlang des mächtigen Flusses Jenissei, bevor wir sehr gut, aber auch teuer zu Mittag aßen. Nach der Leninstatue ging es auf einen Aussichtsberg mit herrlichem Blick über die Stadt und einer Kapelle, die auch den 10-Rubelschein ziert. Da freitags der Hochzeitstag in Russland ist, konnten wir viele Paare und Hochzeitsgesellschaften bewundern und durften sogar Glückwünsche für einen Hochzeitsvideofilmer aussprechen. Nach schwachem Frühstück am andern Morgen hatte unser Taxi 30 Minuten Verspätung, so dass wir Stress hatten, um die Abfahrt des Zuges um 7.10 Uhr im sehr schönen Krasnojarsker Bahnhof nicht zu verpassen. Mit dem Zug Nr. 97 und Wagen Nr. 11 der Baikal-Amur-Magistrale (BAM) und einer netten – für unseren Waggon zuständigen – Begleiterin ging es auf die 2500 km lange Strecke gen Osten. Wir hatten Glück, denn das 4er Personen-Abteil hatten wir die gesamte Fahrt für uns allein.
Im Gegensatz zur bekannten Transsibirischen Eisenbahn ist die erst im Jahr 1992 fertiggestellte Bahn, die ca. 500 km weiter nördlich den Baikalsee im Norden umfährt, wenig bekannt. Vermutlich waren wir auch die einzigen deutschen Touristen an Bord. Durch die Russisch- Kenntnisse von Sieglinde hatten wir nette Kontakte im Zug und im Speisewagen. Wir lernten Wladimir kennen, einen russischen Geologen, der uns mit witzigen Gesprächen zu unserem ersten Wodka einlud. Die Kehrseite des Wodkas lernten wir jedoch am Abend kennen, denn nach einer Einladung durch Wladimir im Speisewagen und reichlich Wodka war von Seiten Wladimirs keine Unterhaltung mehr möglich und er verabschiedete sich auf Französisch. Am andern Tag erfuhren wir vom Speisewagen-Personal, dass er zwar richtig ausgestiegen war, aber sämtliche Papiere im Zug liegen ließ.
Nette Begegnungen mit einer Familie und einer deutsch sprechenden Mutter mit ihren Kindern, die sich auch in unserem Abteil aufhielten, verkürzten die lange Fahrt. Nach längerem Aufenthalt in Severobaikalsk, eine Stadt am Nordende des Baikalsees, und erstem Kontakt mit Omul, dem bekannten Fisch des Baikals, ging es durch eine tolle Landschaft mit Gebirgszügen, Flüssen, Seen und unendlichen Wäldern.
Nach 2 Tagen und 2 Nächten erreichten wir die Bahnstation Juktali, wo wir von Karin Haß, unsere Gastgeberin für die nächsten zwei Wochen, am Bahnhof abgeholt wurden. Karin taufte uns gleich um: Otto (Hansjörgs Vatersname) und Linda (Sieglinde), da unsere Namen schwer aussprechbar und weibliche Namen im Russischen immer auf „a“ enden.
Nach einer etwas feuchten Überfahrt am ersten Fluss Njuksha und einer holprigen Fahrt im klapprigen Pkw, kamen wir im Dorf Ust-Njuksha an und wurden von einer typisch russischen Gastgeber-Familie reichhaltig verköstigt. Die einfache Lebensweise war zwar augenfällig, aber die Gastfreundschaft sehr herzlich. Nach Einkauf in einem russischen Laden war für die nächsten Wochen vorgesorgt und Slava, der Ehemann von Karin, verpackte alles inklusive unserem Gepäck in seinem langen Holzboot. Leider fing es ausgerechnet zu Beginn der Flussreise zu tröpfeln an, so dass wir unsere Regenkleidung anlegen mussten. Die vergessene wichtige rote Dokumentenmappe wurde noch beigebracht und dann konnte die Fahrt beginnen. Slava warf den neuen Außenborder an und wir drei Passagiere machten es uns so gut es ging gemütlich. Karin bedauerte zwar diesen feuchten Auftakt, zumal sie auch die geplante Filmaufnahme nicht machen konnte, aber Hansjörg meinte:„ Wir wissen, dass wir nicht Mallorca gebucht haben.“ Trotz Fahrtwind und Nässe fuhren wir ca. 60 Flusskilometer den Oljokmafluss aufwärts, sahen bereits den ersten Bären am Flussufer, bevor sich Slava entschloss in einer Jagdhütte zu übernachten.
Zur gleichen Zeit verbrachten dort Jugendliche in dem aus mehreren Hütten bestehenden Lager ihre Ferien. Vom Leiter des Lagers wurden wir zum Tee und einfachem Essen eingeladen und erlebten wiederum russische Gastfreundschaft. Wir durften auch seine Hütte zum Übernachten benutzen und konnten mit dem darin befindlichen Ofen unsere Kleidung trocknen.
Am anderen Tag schien wieder die Sonne und wir waren bis 22.00 Uhr auf dem landschaftlich herrlichen Fluss unterwegs, wo wir wiederum 4 Bären sahen. Slava musste an einer anderen Jagdhütte prüfen, ob dort auch Bären zugange waren und nahm dabei sein Gewehr mit.
An einem schönen Kiesstrand, wo wir unser Zeltlager aufschlagen wollten, liefen überraschenderweise die drei Hunde unserer Gastgeber auf uns zu. Slava war wütend, da 2 Männer aus dem Dorf vermutlich mit seinen Hunden einen Elch jagen wollten, den er schon länger im Visier hatte, wie uns Karin erklärte. Da wir den 21. Juni schrieben, feierten wir noch Mittsommernacht am Lagerfeuer und machten dabei auch Bekanntschaft mit den kleinen fliegenden Ureinwohnern Sibiriens. Der Test mit dem als mückendicht angepriesenen G1000 Gewebe (unsere Hosen, Westen und Hüte) wurde erfolgreich bestanden. Der andere Morgen brachte mit Frühnebel und den drei Hunden eine tolle – beinahe mystische – Morgenstimmung mit sich, die uns gefangen nahm. Nach der Morgentoilette und Frühstück gingen wir die letzten 60 Flusskilometer (ca. 300 Flusskilometer sind es von Ust-Njuksha bis zum Dorf) bei herrlichem Wetter an und erreichten am Nachmittag bei Sonnenschein und 30 Grad Außentemperatur das Dorf Srednaja Oljokma.
Dort bezogen wir unsere Bleibe der nächsten 14 Tage, ein Blockhaus, das einfach aber liebevoll eingerichtet war. Da uns schon unterwegs bei der Zugfahrt und in Ust-Njuksha die blaue Farbe aufgefallen war, wunderten wir uns nicht allzu sehr, dass Decken, Wände und Fensterrahmen von unserem Ferienhäusle in schönstem Blau leuchteten. Karin wies uns in die Eigenheiten des Hauses ein und beheizte auch gleich die Banja, damit wir uns von der Reise erfrischen konnten.
Die nach der Perestroika noch übrig gebliebenen 70 Dorfbewohner leben alle sehr einfach in den Holzblockhäusern mit Klohäusle und separater Banja, die als Bade- und Saunaraum zu jeder Jahreszeit benützt wird. Die Grundstücke sind in der Regel mit einem Holzlattenzaun umgeben, vor dem riesige Holzstapel aufgeschichtet sind und dahinter ist der mehr oder weniger gepflegte obligatorische Kartoffel- und Gemüseacker.
Der Fluss Oljokma ist ca. 200 m vom Dorf entfernt und liegt etwa 30 m tiefer. Er bildet die Lebensader des Dorfes, denn er ist nicht nur die einzige Verbindung zur Außenwelt, sondern ist auch Trinkwasser-reservoir und Lieferant von Fischen. Im Winter kann der zugefrorene Fluss als Straße benutzt und mit Fahrzeugen befahren werden,
Strom wird von einem Dieselgenerator erzeugt und liefert morgens 2 Stunden und abends von 17 bis 24 Uhr Strom, wenn er nicht, aus welchen Gründen auch immer, ausfällt, wie auch wir einmal erlebten.
Slava ging am Tag unserer Ankunft gleich noch zur Jagd und schoss zwei Elche, so dass der Fleischbedarf gesichert war. In der kurzen Vegetationsperiode von Ende Mai bis August wachsen im Garten Kartoffeln, Zwiebel, Kräuter, Tomaten, Gurken, Zucchini, Paprika, Melonen und sonstiges Gemüse sehr gut, Voraussetzung ist, dass regelmäßig gewässert wird. Zusätzlich wird die Küche durch Beeren und Pilze aus dem Wald ergänzt. Die Vorräte werden entsprechend verarbeitet, konserviert und im Kellerloch aufbewahrt. Es gibt auch einen winzigen Tante Emma Laden, der ein gut überschaubares Angebot bereithält und der einmal im Monat per Boot beliefert wird. Wir kauften uns 8 Dosen Bier, die allerdings nach einer Woche verbraucht waren und danach mussten wir uns wieder mit Wasser bzw. prima Preiselbeersaft von Karin begnügen. Wir hatten zwei Wochen lang ein genügsames, aber wunderbares Leben mit Vollpension durch Karins einfache, aber schmackhafte Küche.
Wir konnten uns auf den herrlichen Flüssen Oljokma und den einmündenden Tungir mit einem Paddelboot austoben und waren ständig unterwegs. Schwimmen an einsamen Sandstränden und kleine Touren auf Inseln und am Flussufer entlang waren genau das, was wir uns vorgestellt hatten.
In der näheren Umgebung des Dorfes machten wir natürlich auch Wanderungen durch die Taiga, was allerdings nicht so einfach war, da es nur schmale Trampelpfade gibt, von denen man oft nicht wusste, ob sie von Menschen oder Tieren stammen. Wir sahen auch noch vergammelte Käfige einer Silberfuchsfarm, die mit rund 1600 Tieren von Dorfbewohnern bis vor ca. 22 Jahren betreut wurden. Nach dem Zerfall der Sowjetunion führte jedoch die Perestroika zum Niedergang des Dorfes. Die Silberfuchsfarm sowie ein kleines Holzsägewerk wurden aufgegeben und die Dorfbewohner reduzierten sich von 250 auf nunmehr 70 Einwohner. Auch die Versorgung aus der Luft wurde eingestellt, so dass jetzt alles wieder um 50 Jahre zurückgeworfen wurde. Zum Urlaub machen ist der Ort jedoch immer noch toll, wenn man mit einfachen Bedingungen klarkommt und Natur und Ruhe liebt.
Kinder bis 10 Jahre werden im Dorf unterrichtet, die Älteren müssen in ein Internat nach Tschita und nur in der Ferienzeit sind die Kinder 3 Monate in Srednaja Oljokma. An einem Sonntag wurde vor dem Kulturhaus mit der Jugend des Dorfes gefeiert.
Leider gibt es im Dorf viele Leute, die mehr oder minder Alkohol, sprich Wodka, trinken. Oft sind Todesfälle nicht aufgrund der schlechten ärztlichen Versorgung zurückzuführen, sondern auf zu hohem Alkoholverbrauch. Bei dem Dorffest ist wahrscheinlich durch Alkoholgenuss ein Mann im Fluss ertrunken und wurde 3 Tage später beerdigt. Ein Vorgang, der bei uns große Untersuchungen in Gang brächte, erregt in Srednaja Oljokma kein so großes Aufsehen. Die Menschen dort haben in der Regel eine bedeutend kürzere Lebenserwartung als bei uns, bedingt durch Alkohol, Unfälle und fehlender ärztlicher Versorgung. Die Zahlen auf den Gräbern des Friedhofes sprechen dazu eine deutliche Sprache.
An einem anderen Tag durften wir wiederum sibirische Gastfreundschaft mit zwei Ewenken erleben, dem Ursprungsvolk der dortigen Gegend. Sie sammelten wilden Schnittlauch am Flussufer und luden uns am Lagerfeuer zum Tee und am Spieß gebratenen Elch-Schaschlik ein.
Die Unterhaltung war auf Russisch durch Sieglinde und Mimika von Hansjörg – wie der Schwabe sagt: mit Händ ond Füaß.
Ein besonderes Abenteuer war ein 3tägiger Ausflug, bei dem uns Slava ca. 20 km fluss-aufwärts auf einer Insel absetzte und wir im Zelt 2 Nächte verbrachten.
Als wir bei der Erkundung der einsamen Insel jedoch plötzlich auf eindeutige Bärenspuren trafen, wollte Sieglinde wieder abreisen. Hansjörg konnte sie jedoch zum Bleiben überreden. Zugegebenermaßen schliefen wir jedoch beide in der Nacht etwas unruhig.
Ohne eine Menschenseele weit und breit machten wir anstrengende und mit Treideln gewürzte herrliche Paddeltouren fluss-aufwärts. Am Ende der Tour bauten wir sogar ein Steinmanndl.
Die manchmal etwas lästigen, fliegenden
Ureinwohner hielten wir mit Mückenkleidung und -netz in Schach.
2 ½ Tage – wir Zwei allein auf dieser Insel – brachten für uns neue Erfahrungen und bleiben schöne Erinnerungen an diesen besonderen Urlaub.
An einem anderen Tag durften wir wiederum sibirische Gastfreundschaft mit zwei Ewenken erleben, dem Ursprungsvolk der dortigen Gegend. Sie sammelten wilden Schnittlauch am Flussufer und luden uns am Lagerfeuer zum Tee und am Spieß gebratenen Elch-Schaschlik ein.
Unterhaltung auf Russisch durch Sieglinde und Mimika von Hansjörg, also mit Händ ond Füaß.
Slava lud uns eines schönen Morgens zum Fischen ein. Zusammen mit einem Verwandten fuhren wir per Boot einige Kilometer flussabwärts. Über die Uferböschung erreichten wir durch wegloses Gelände zwei kleine Seen, wo die Beiden ihre Reusen mit Brot zum Anlocken der Fische präparierten und auswarfen. Nach einer guten halben Stunde wurden die Reusen herausgezogen und entleert. Die Beute war ein guter halber Eimer voll kleiner Fische, die jedoch nicht für uns bestimmt waren, sondern kleingeschnitten für die Hühner als Futter dienten.
Nach einer letzten nochmals wunderbaren Paddeltour und schwimmen im Fluss mussten wir noch schmutzige Wäsche waschen, die ohne Vollautomat bedeutend aufwendiger war als bei uns zu Hause. Bei dem letzten Banjabesuch wurde – vor allem Hansjörg – bewusst, dass diese Art des Bades zwar etwas aufwendiger ist (man sollte immer zu zweit sein), aber keinerlei Nacharbeiten notwendig sind bezüglich Lüften, Boden wischen usw. Auch gibt es keine Sieglinde-Ermahnungen:“Hast du dies, hast du das,…?“ Dies schätzte Hansjörg an der Banja besonders hoch.
Eines Morgens hieß es dann Abschied nehmen. Im Morgennebel von 8.00 Uhr bis abends 21.00 Uhr flussabwärts ging es bedeutend schneller als flussaufwärts. Auf halber Strecke wuchtete Slava einen 50 l Kanister Benzin an Land und versteckte ihn im Gebüsch, um auf der Rückfahrt Spritreserve zu haben. Nach herrlicher Flussfahrt und Sichtung eines den Fluss überquerenden Bären landeten wir an einer schönen Flussinsel an und schlugen die Zelte auf. Unter einem sogenannten Mückendom konnten wir stress- und mückenfrei essen. Am anderen Morgen ließen wir es uns noch einmal gut gehen, Hansjörg sang für Karin und Slawa noch ein Abschiedslied und nach Abbau des Lagers nahmen wir die letzte Etappe in Angriff. Das Handy hatte ab hier wieder Netzempfang und so war in in Ust-Njuksha alles vorbereitet, als wir gegen 11. 00 Uhr dort ankamen. Von der uns schon bekannten Gastfamilie wurden wir wieder bestens versorgt, bevor wir per Auto und Boot zum Bahnhof nach Juktali gebracht wurden. Dort nahm Karin Haß ihren nächsten Gast in Empfang. Wir verabschiedeten uns herzlich und warteten am Bahnhof auf den Gegenzug, der am frühen Abend pünktlich ankam.
In 1 ½ Tagen legten wir die BAM-Bahnstrecke bis Severobaikalsk zurück – unser neues Etappenziel.
Das Zugabteil mussten wir uns diesmal jedoch mit 2 russischen jungen Männern teilen, es war weniger Platz, jedoch gab es keinerlei Probleme. Der Oljokmafluss begleitete uns einige Kilometer weit und wir konnten nochmals ausgiebig die herrliche Taiga mit ihren unendlichen Bergen und Wäldern vom Zug aus bewundern, bevor wir uns im Speisewagen mit Pivo (russisches Bier) und Borschtsch verwöhnen ließen.
Abschiedslied für Karin und Slava
Melodie nach Amacing Grace
Der Tag war schön, so schön mit Euch,
wir danken Euch dafür,
auch wenn dieser Tag zu Ende geht,
bleibt uns die Erinnerung.
Wir wanderten durch die Natur,
Sonne schien uns ins Gesicht,
fühlten bei so mancher Paddeltour,
Freiheit auch im Abendlicht.
Es war für uns das Paradies
kamen aus mit wenig Geld
nicht mal Mücken machten uns das Leben mies
ach, wie schön ist diese Welt.
Es geht jedoch alles vorbei,
s’ist Naturgesetze Lauf,
am Oljokma lebt der Mensch noch frei,
Liebe höret nimmer auf.
Spasiba, Dank
ihr Freunde all
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2. Teil Der Baikalsee, das blaue Herz von Sibirien
In Severobaikalsk, am Nordwestende des Baikalsees, wurden wir am Bahnhof von Ljuba, einer netten jungen Frau des ansässigen Reisebüros, abgeholt und per Pkw zu unserer Gastfamilie gebracht. Ljuba konnte deutsch und englisch und so war die Verständigung bestens. Sie übte auch immer wieder „Fischers Fritz fischt frische Fische“. Bei unserer Gastfamilie der nächsten 5 Tage war die Verständigung jedoch nicht so einfach, so dass meine Frau Sieglinde ihr russisch anwenden konnte und musste. Wir hatten ein für russische Verhältnisse sehr feudales Zuhause in einem schönen 2-geschossigen Holzhaus mit burjatischen Schnitzereien in einem ruhig gelegenen Ortsteil. Nadja und Sascha waren als Gastgeber sehr um unser Wohl bemüht und mit russisch deutschem Wörterbuch und „Mimika“ (Mimik) hatten wir oft viel Spaß bei der Unterhaltung. Auch sangen wir spät abends gemeinsam russische Lieder, die mit fließendem Wodka auch immer besser gingen. Ljuba hatte für uns am anderen Tag einen Ausflug mit Pkw und Fahrer nach Baikalskoje organisiert. Dies ist einer der wenigen Orte, die im Norden direkt am Baikalsee liegen und auf einer asphaltierten Straße erreichbar sind. An einem heiligen Ort
(Obo) oberhalb des Baikalsees erklärte sie uns die Naturreligion Schamanismus und wir durften am Altar ein kleines Opfer niederlegen. Viele solcher Orte sieht man rings um den See, meist gut sichtbar durch farbige Bänder an Bäumen und Sträuchern.
Nach der Besichtigung des hübschen Ortes Baikalskoje mit seinen kleinen schnuckeligen Holzhäuschen machten wir eine herrliche Wandertour an einem Kliff entlang. Danach gönnten sich Linda und Otto das erste Bad im erfrischend kalten Wasser des Baikalsee, während in der Zwischenzeit Ljuba ein herrliches Picknick richtete: geräucherter Omul, Brot, Obst und kleinen Leckereien.
Eigentlich wollten wir am anderen Tag das Ostufer des Sees ansteuern, um von dort den Frolica-Trail zu machen, aber Ljuba hat uns wegen Bärengefahr abgeraten und stattdessen eine Tour auf die Insel Yarki empfohlen. Die ca. 15 km lange und 300 m breite Insel liegt am Nordende des Sees und ist tatsächlich wunderschön. Per Taxi fuhren wir nach Nishneangarsk und warteten bei kühlem Nieselwetter (nur noch 10 Grad) auf Viktor Kusnetzow. Gegen 10.00 Uhr mussten wir durch das kalte Wasser barfuß in sein schnelles Schlauchboot einsteigen und wurden von ihm nach rasanter Fahrt ungefähr in der Mitte der Insel abgesetzt. Die Rückfahrt wurde für 2 Tage später 14.00 Uhr ausgemacht.
Nach der Suche eines Zeltplatzes und Aufstellung unseres Minizeltes mit Tarp gab es als Erstes etwas Warmes mit Hilfe unseres Esbitkochers. Danach erkundeten wir die Insel in die Ostrichtung bis zum Ende, wo ein Teil der Oberen Angara in den Baikal fließt. Eine Jugendgruppe und ein paar einzelne Zeltler sichteten wir bei dieser Erkundung. Trotz windigem Schmuddelwetter war es eine wunderbare Tour mit Schwemmholz, Sandstrand und interessanten Pflanzen. Die Nacht verbrachten wir vor und in unserem Zelt mit Lagerfeuer und Glühwein, die uns etwas einheizten. Am anderen Tag liefen wir zum Anfang der Insel mit ähnlichen Zutaten wie tags zuvor, aber bei gutem Wetter. Am Ende der Insel stand eine Fischerhütte, wo sich Denise, ein russischer Geologe aus Samara, wegen des schlechten Wetters aufhielt und mit dem Sieglinde sogleich ins Gespräch kam, denn er konnte auch englisch. Er zeigte uns die Hütte, lud uns zum Tee ein und anschließend saßen wir vor der Hütte und er erzählte uns, dass er 3 Monate von seinem Arbeitsgeber frei hat und mit seinem Schlauchboot einen Teil des Baikalsees befahren will. Nach Filmaufnahmen seinerseits, Fotos und dem Lied „Auf der Wolga breiten Fluten“ von Hansjörg und Denise in deutsch und russisch gesungen, luden wir ihn zu einem Besuch um 16.00 Uhr bei uns ein.
Pünktlich kam er angepaddelt und wir hatten noch mords Spaß am Lagerfeuer mit gebratenen Hähnchenschlegeln, Bier und netten Gesprächen, bevor er nach Austausch der email-Adressen weiterfuhr. Zur Abwechslung war dies deutsche Gastfreundschaft im fremden Land.
Der nächste Tag begann mit Superwetter und wir hielten uns am Strand auf und schrieben Tagebuch, machten Joga, übten Handstand, einfach Urlaub und Freude pur. Pünktlich um 14.00 Uhr kam Viktor mit Ljuba am Landesteg an und beide freuten sich saumäßig, dass es uns gut ging. Viktor bretterte über den See zurück in den Hafen von Nishneangarsk und wir besichtigten noch sein selbst gebasteltes Häusle, bevor wir per Taxi wieder zu unserer Gastfamilie nach Severobaikalsk gefahren wurden. Sascha und Nadja luden uns ein, mit ihnen zu einer heißen Quelle zu fahren, etwa 40 km vom Haus entfernt. Nach gefühlter 100 km Fahrt entlang der BAM Bahnstrecke kamen wir in dem Minibad an. In dem Thermalwasser mit über 40 Grad Wärme konnte in zwei ca. 20 m² großen Becken mehr gestanden als geschwommen werden. Wir zwei wurden bestaunt wie Exoten und manche Einheimischen konnten es kaum glauben, dass Deutsche hierher zum Baden kommen.
Zu Hause angekommen gab es zum Ausklang des Tages gegen 23.00 Uhr Speck, frische Kräuter aus dem Garten, Wodka, Lieder und Toasts auf die deutsch-russische Freundschaft. Dass sich anscheinend aber auch die fliegenden Ureinwohner bei dem heißen Wasser sauwohl fühlten, konnte man anderntags auf Sieglindes Körper bestaunen. Am letzten Tag in Severobaikalsk gingen wir nochmals zum See und bewunderten Pferde. Unsere Absicht entlang des Ufers zurück zur Stadt zu kommen, war jedoch ein Irrweg, deshalb mussten wir durch den Wald und teils entlang der Hauptstraße gehen. Bargeld auf der Bank zu holen, war auch nicht so einfach, denn 10 Minuten vor der eigentlichen Schließung der Bank, hieß es unfreundlich „Njet“ (Nein) am Schalter. Zum Glück fanden wir noch eine Bank, die bis 19.00 Uhr offen hatte. Unter strengstem Schutz eines Sicherheitsmenschen bekamen wir in einer geschlossenen Kammer unser Geld. Der Abschied von Nadja, Sascha und Kater Sam am letzten Abend war sehr herzlich. Mit Posie (russische Maultaschen), Wodka und dem gemeinsam gesungenen Baikallied beschlossen wir den Tag. Laut Sascha sind wir zwei „Maladzi“ (Prachtkerle) und bekamen noch eine Einladung zur Goldenen Hochzeit unserer Gastgeber im Jahr 2018.
Ljuba mit Fahrer holte uns anderntags ab und brachte uns zum Hafen, wo wir auf das Tragflächenboot „Raketa“ warteten, das uns ca. 300 km südlich zur Insel Olchon bringen sollte. Mit halbstündiger Verspätung kam das Boot an und nahm etwa 20 Personen mit an Bord.
Dort trafen wir einen jungen Deutschen, der in Irkutsk arbeitet und fliesend russisch spricht. Er liebt dieses Land, hatte sich als Wirtschaftsleiter an einem Krankenhaus in Kasachstan beworben und wurde genommen. Er schrieb Hansjörg einen Spruch auf, den wir nach unseren Erfahrungen bestätigen konnten.
Der russische Dichter und Diplomat A. Tutchew hat 1820 den Spruch geprägt:
„Verstand wird Russland nie versteh‘n,
kein Maßstock sein Geheimnis rauben,
so wie‘s ist – so lasst es geh´n,
an Russland muss man einfach glauben“.
Ein Österreicher mit seiner Mutter, die auf Besuch war, begleitete den Deutschen. Auch er wird 1 Jahr in Irkutsk bleiben, um russisch zu lernen, wollte jedoch seiner Mutter die Insel Olchon zeigen. Es war ein herrlicher Tag: sonnig, fast wolkenlos, der blaue Baikalsee zeigte sich in seiner einmaligen Pracht und die schneebedeckten blauen Berge entlang des Ufers bestätigte unser Motto, „Sibirien – eine Fahrt ins Blaue“.
Durch die hohe Geschwindigkeit des Bootes gab es mächtigen Fahrtwind und so konnte man den Anorak und die Mütze gut gebrauchen. Sieglinde schlief über 1 Stunde im Inneren des Bootes tief und fest und Hansjörg war mit Fotografieren beschäftigt, um die überwältigende Landschaft aufzunehmen, wo sich auf hunderte von Kilometern keine einzige Ortschaft befindet. Ca. 16.00 Uhr war die Ankunft auf Olchon, wo schon ein Lada mit Fahrer auf uns wartete. Ein russisches Pärchen fuhr mit uns. Die Fahrt war abenteuerlich, da sich der Fahrer laufend nach hinten drehte und mit dem russischen Paar sprach. Trotzdem verließ er laufend die befestigte Straße, die ihm zu holprig und wellig war und suchte sich seinen Weg auf Nebenwegen oder Wiesen. 40 km weit ging die rasante Fahrt bis Khuzhir. Dort kamen wir zu Nikitas Homestead, ein Feriendorf, das international betreut wird und wo deshalb unter anderem auch deutsch gesprochen wird. Wie in einem umzäunten Fort befinden sich im Inneren kleine Holzhäuschen mit jeweils 2 oder 3 Zimmern und einfachem WC. Außen gab es Duschkabinen, die von Fässern auf dem Dach gespeist wurden und mit direkt verwandelter Sonnenenergie warmes Wasser lieferten. Wir bezogen mit einem Schweizer Ehepaar das Holzhaus Nr. 1. Danach liefen wir gleich zur Klippe und genossen den herrlichen Blick auf die Bucht mit dem berühmten Schamanenfelsen. Leider fuhr gerade ein Jet-Ski. Dieser Lärm passte da gar nicht hin. Wir waren jedoch überwältigt von der tollen Landschaft und dem Blick über das kleine Meer „Maloje Morje“.
Um 20.00 Uhr gingen wir zum Essen in das Gemeinschaftshaus, wo es verschiedene Salate und russische Speisen gab. Anschließend wohnten wir einem kleinen Konzert von Burjaten bei, die das Leben in einer Jurte mit Gesang und Tanz darstellten. Es waren nur wenige Zuschauer zugegen. Gegen 21.45 Uhr gingen wir wieder zur Klippe und trafen den Österreicher mit seiner Mutter. Er fotografierte den Sonnenuntergang und wir machten einen Schwatz. Zwischenzeitlich kam der fast volle Mond und es wurde ziemlich kühl, deshalb gingen wir in das Kaffee in unserem Resort, tranken Bier und aßen wunderbaren Kuchen. Die Bedienung war ausgesprochen nett.
Zum Frühstück um 9.00 Uhr gab es Müsli, Ei und Plinis (Pfannkuchen) und danach meldeten wir uns für noch zwei freie Plätze einer Nordinseltour an. Gegen 10.00 Uhr fuhren wir mit 2 Spaniern, einem amerikanischen Paar, einem Norweger, einer Italienerin und einer Russin, die sehr gut englisch sprach, los. Hansjörg als Ältester durfte sich vorne neben den Fahrer setzen und staunte nicht schlecht wie dieses Allrad-Fahrzeug oft tief durchfurchte Wege, die keine Wege sind, meisterte und das bei hoher Geschwindigkeit, so dass die hinten Sitzenden oft hin- und her geschleudert wurden. An herrlichen Plätzen wurden Stopps eingelegt und auch während der Fahrt viel erklärt, z. B. dass die Insel erst seit 5 Jahren am Stromnetz angeschlossen ist, dass es eine Fischfabrik gab sowie ein Strafgefangenenlager.
Zuletzt mussten wir auf einem grandiosen Pfad bis zum Kap laufen.
Von steiler Klippe sahen wir blau, blau und nochmals blau. Zwar waren viele Kleinbusse unterwegs, doch wir sahen nur die tollen Felsen und das unendliche Blau des Baikalsees.
Alle waren restlos begeistert und tief beeindruckt von dem Naturwunder. Jede Busgruppe scharte sich anschließend um das eigene Feuer, wo aus einem Metalltopf heiße Fischsuppe serviert wurde. Dazu gab es Käsebrote, Gurken und Tomaten, sowie als Nachtisch Tee mit Keksen. Gegen 15.00 Uhr fuhren wir dann auf die östliche bewaldete Seite der Insel. Hier gab es auch eine besondere Felsenformation mit prächtigem Baikalseeblick und Hansjörg (Otto) musste dann einfach singen.
Der letzte Aufenthalt war in einer Bucht, dort konnte man reiten oder einen Kaffee trinken. Um 16.00 Uhr fuhren wir zurück. Tief beindruckt von dem Gesehenen, aber auch durch das Durchschütteln waren alle mundfaul und müde geworden. In unserem Häusle angekommen, legten wir uns dann auch etwas hin, duschten und gingen zum Essen. Es gab Fisch, verschiedene Salate und als Nachtisch Piroggen mit Marmelade. Es war warm und sonnig, so dass wir wieder an unseren Lieblingsplatz auf der Klippe gingen und den Sonnenuntergang beobachteten.
Wir hatten unseren Rotwein dabei, am Schamanenfelsen trommelten und beteten Anhänger. Es war eine eigenartige mystische Stimmung. Nach 23.00 Uhr gingen wir zurück und schliefen bald ein.
Hansjörg stand schon um 5.30 Uhr auf, um den Sonnenaufgang zu erleben und kam gegen 8.00 Uhr begeistert zurück. Er machte viele Aufnahmen und sagte, dass man die Eindrücke des Sonnenaufgangs mit Worten nicht beschreiben kann. Er beobachtete aus der Ferne auch eine burjatische Familie, die zum Beten an den Schamanenfelsen kam und Opfer für die Geister niederlegte. Eine Yoga- und Judogruppe war auch in der Nähe und machte bei Sonnenaufgang Übungen.
Wir gingen spät zum Frühstück. An unserem Eingang gab es eine Anzeige über Seekajakmieten, wir erkundigten uns und machten dies für den nächsten Tag aus. Danach liefen wir in den Ort, kauften Getränke und trafen den Bayer Harald aus Landsberg, der mit einer BMW unterwegs war. Er wohnte bei einem Russen, der auch Deutschlehrer ist. Dieser verlieh Fahrräder und verkaufte in einer Jurte Souvenirs und Schiffstouren. Wir kauften eine 2stündige Abendtour entlang der Küste, ab 20.00 Uhr für 1300 Rubel.
In der Unterkunft angekommen, packten wir unseren Rucksack mit Getränke, Badesachen und Luftmatratzen und liefen am Sandstrand entlang. Es war sehr mühevoll zu gehen. Wir faulenzten jedoch an einem herrlichen einsamen Platz und Hansjörg testete wieder mal die Seetemperatur und meinte: „Nichts für Weicheier!“. Auf dem Rückweg waren traurig anzusehen die Stellen mit Müll und die Flaschenentsorgung im Wald. Um 19.00 Uhr gingen wir zum Essen und mussten uns dann beeilen, damit wir pünktlich am Hafen waren.
Dort gab es früher eine Fischfabrik, die nicht abgerissen wurde und nun verfällt. Auch der ganze Hafen mit vergammelten Schiffen, Landestegen, fehlenden Bohlen und Geländern ist unseren Augen eine einzige Katastrophe. In einer schönen Fahrt fuhr unser Boot entlang der Küste bis zu einer Vogelinsel. Dort wurden Tausende von Vögeln vor allem Möwen und Kormorane beobachtet und gefüttert. Mittlerweile war die Sonne untergegangen und es war kühl. Gegen 22.00 Uhr waren wir wieder am Hafen und liefen zurück zur „Stadtmitte“. Auf der Terrasse eines Lokals tranken wir bei Vollmond gezapftes Bier (2 Gläser für 90 Rubel) und sahen dem Treiben auf der staubigen Hauptstraße zu.
Nach dem Frühstück fragten wir gleich an wegen dem Seekajak und bestellten ein Taxi für 10.00 Uhr. Die Einsatzstelle war ein paar Kilometer außerhalb von Khuzhir. Dort befanden sich auf einem großen gepflegten Grundstück Holzhäuser und auch Zelte. Wir bekamen eine vollständige Ausrüstung mit Schwimmwesten und wurden mit einem Auto ans Wasser gefahren. Gegen 10.30 Uhr paddelten wir bei Gegenwind und Wellen los, kamen gut voran und genossen es einfach wieder einmal in einem Kajak zu sitzen. Gegen 13.00 Uhr landeten wir in einer Bucht mit Sandstrand an. Bei sommerlichen Temperaturen liefen wir auf der Klippe entlang, wo es viele Jungrinder gab. Auch wuchsen dort herrliche Steingartenblumen. Nach einem prima Picknick bei tollem Seeblick machten wir uns frisch und paddelten gegen 16.00 Uhr um eine kleine gegenüberliegende Insel herum, auf der auch Möwen mit Jungen nisteten. Dadurch gab es ein Mords-Geschrei. Nach Passieren des Schamanenfelsens wurden wir müde, aber die See war ganz ruhig und wir kamen um 18.30 Uhr an der Ausgangsstelle an. Dort bezahlten wir unsere 1600 Rubel und konnten mit dem Besitzer des Platzes in den Ort fahren, allerdings nicht umsonst, dies kostete 120 Rubel extra. Im Kleinbus waren noch junge Mädchen, die sich mit uns auf Englisch unterhielten. Danach kauften wir 1 Brot, 1 Dose Thunfisch und gingen in unser Quartier zurück. Die Duschen waren zwar kalt, doch Sieglinde wagte es. Nach dem Abendessen liefen wir nochmals zur Klippe, im Rucksack Sitzunterlagen, Bier und Nüsse. Beim letzten Sonnenuntergang auf der Insel Olchon ließen wir unseren Gedanken auf der herrlichen Insel freien Lauf.
Das bestellte Taxi, das uns zum Bus brachte, kam erst 8.50 Uhr an, so dass wir zwar noch gerade rechtzeitig am Bus ankamen, aber nur einen Platz für 2 Personen incl. Gepäck hatten. Es waren zwar nur 40 km bis zur Fähre, aber bereits nach 10 km gab es den 1. Stopp, denn es qualmte heftig aus dem Armaturenbrett. Alles stieg aus, der Fahrer und sein Begleiter schraubten das Armaturenbrett ab. Nach ca. 30 Minuten Bastelei innen und außen hatten sie wohl den Fehler gefunden und es ging weiter bis zur Fähre. Hier mussten wir 40 Min. warten, die Überfahrt zum Festland dauerte aber nur 10 Minuten. Es gab weiterhin nur eine zwar befestigte, aber ungemein holprige Buckelpiste, die unser Stadtbus nur sehr mühselig schaffte. Um 14.00 Uhr gab es eine Pause an einem Kaffee. Danach war die Straße asphaltiert bis Irkutsk. Der Bordmechaniker stand die gesamte Zeit vorne am Bus und unterhielt sich viel mit dem Fahrer. Trotz Hitze und Durchschütteln konnten wir alle mal schlafen. Gegen 17.00 Uhr kamen wir in Irkutsk an und unsere Ansprechpartnerin vom Reisebüro wartete schon. Wir konnten gleich umsteigen in einen Kleinbus. Die junge Frau unterhielt sich kaum mit uns. Ihr war wichtig, dass sie von unseren Pässen Kopien und 700 Rubel zur Registrierung in Irkutsk bekam.
Über eine gute Berg- und Talstraße kamen wir nach 60 km in Listwjanka in einer Pension an und bekamen einen kleinen handgezeichneten Plan vom Touristenort. Die Wirtin gab uns in Englisch eine kurze Einweisung unseres Quartiers. Dort befanden sich eine Dusche mit WC sowie eine winzige geschlossene Terrasse. Wir liefen in den Ort und holten am Geldautomat gleich Rubel. Überall sahen wir Souvenirstände. In einem chinesischen Restaurant gab es große Portionen zu essen, dazu tranken wir Bier. Danach ging es zum Markt und Sieglinde ließ sich eine Kette mit einem blauen leuchtenden Stein für 1900 Rubel aufschwatzen. Als wir wieder an unserem Quartier ankamen, standen auf unserem Grundstück 6 Toyotas mit großer Aufschrift: Thailand – Paris 25.000 km/16 Länder in 8 Wochen.
Mit Joghurt, Spiegeleier, Wurst, Schinken und Süßigkeiten erwartete uns um 9.30 Uhr ein reichhaltiges Frühstück. Ein Thai sprach uns an und er war sehr interessiert an uns. Er war schon einige Male in Stuttgart. Er liebt das Autofahren und macht fast jedes Jahr so große Touren.
Da es bewölkt war, entschlossen wir uns das Baikalsee-Museum zu besichtigen, das recht gut besucht war. Wir bezahlten 480 Rubel und bekamen eine englisch-sprechende Führerin. Sie erklärte uns, dass der Omul im Frühjahr in die oberen Schichten des Sees kommt, ab 300 m Tiefe ist das Wasser konstant 4 Grad warm, wo sich die Fische im Winter aufhalten. 20 % des Welt-Süßwasserreservoirs befindet sich im Baikalsee und ist mit 1.637 m der tiefste See der Erde. Der Baikalsee wurde im Jahre 1996 zum Weltkulturerbe erklärt und somit kann sich dort keine Industrie mehr ansiedeln. Mit der Unterwasserstation MIR wurden viele Untersuchungen in die Tiefen gemacht.
Der See ist reich an Kleinlebewesen und bietet eine gute Futtergrundlage für die Baikalrobben,
die wir in einem Aquarium auch schwimmend beobachten konnten. Nach einer Stunde gingen wir den dahinter liegenden Berg hoch zum Cerskovs-Fels, der einen herrlichen Ausblick auf die Angara bietet (einziger Ausfluss aus dem Baikalsee) mit dem gegenüber liegenden Port Baikal, dem ehemaligen Fährhafen und heutigen Startpunkt der Museumsbahn. Über einen kleinen Skihang mit Sessellift, blühenden Blumenwiesen und Schmetterlingen liefen wir zum ersten Hotel am Platz, dem Hotel Baikal. Es ist eine große Hotelanlage in alter Holzbauweise, riesiger Terrasse und Wasserfall. Die Sonne schien und wir bestellten Fischsuppe, Borschtsch, dazu 2 Bier und zuletzt tranken wir einen Cappuccino zusammen, stolze 1.390 Rubel = 35 € (Bierpreis 6 €). Wir setzten uns in eine Schaukel, genossen den schönen Ausblick direkt über der Angara und liefen gegen 17.00 Uhr zurück in den Ort, um uns im Touristenbüro nach einem Baikaltrail entlang der Klippen zu erkunden. Die Antwort war kurz und bündig, fast unhöflich:“Trail geht nicht!“ und drückte uns einen Plan von Listwjanka in die Hand. Wir liefen dann zum Fischmarkt, kauften 3 geräucherte Omule, 4 kleine Gurken, 2 Tomaten und 2 x 1 l Bier und Wasser. Auf der Terrasse unseres Quartiers konnten wir zu Abend essen, dazu brachte die Hauswirtin Teller, Gläser und Brot und wir genossen den warmen Abend. Spät abends liefen wir unsere Straße bis zum Ende, um unsere Internetbeschreibung des Wanderweges mit den vorhandenen Wegen zu vergleichen. Wir entschieden, diese Wanderung zu machen und packten den Rucksack, tranken noch einen Wodka und gingen 0.30 Uhr ins Bett.
Am nächsten Morgen saßen am Frühstückstisch Deutsche, Schweizer und Holländer. Das Wetter war gut, wir waren startklar, doch die Hauswirtin riet uns ab und sprach von einer Gehzeit bis zu 10 Stunden. Wir ließen uns zur Sicherheit ihre Telefonnummer geben. Da wir erst ziemlich spät frühstücken konnten, liefen wir erst 10.15 Uhr auf sehr steilen Anstiegen hoch. Der Pfad war jedoch gut sichtbar, unterwegs sahen wir Pilze und immer wieder schöne Blumen. Wie beschrieben gab es eine scharfe Linksbiegung und danach ging es im Zick-Zack in ein Tal. An einem Bach blühte mannshoher Rittersporn in mehreren Blautönen sowie Blutweiderich. Wir trafen auf ein Jugendlager direkt am Baikalsee, wo junge Menschen den GBT (Großer Baikal Trail) ausbauten. 3 junge Mädchen sprachen uns gleich an und waren sehr interessiert. Wir wurden von Ihnen zum Mittagessen eingeladen, doch wir lehnten ab, da wir bis 18.00 Uhr im Ort Koty sein mussten. Nach einer kurzen Rast nahmen wir den Klippenweg, obwohl ein Schild warnte „Dangerious!“. Dass dies seine Berechtigung hatte, merkten wir schließlich, als der Weg immer schmaler und der Hang zum See ohne Büsche und Bäume immer steiler wurde. Bei einem Fehltritt gäbe es da kein Halten mehr, deshalb entschieden wir uns wieder für den Rück- und Normalweg. Im Zick-zack ging es bergauf mit wunderschönen Aussichten und einem gut ausgebauten Weg. Gegen 16.00 Uhr sahen wir ein Schild: noch 2 Stunden bis Koty. Wir wollten es nicht glauben, doch Sieglinde legte den Turbogang ein und so schafften wir die Strecke in 1 ½ Stunden. Immer wieder konnten wir den kleinen Ort bei einem Ausguck sehen, doch der Weg zog sich, oft direkt an steilen Klippen entlang, bis er zuletzt in einen breiten Weg einmündete. Verschwitzt kamen wir an der Bootsanlegestelle in Koty an und vom Baikalsee wehte ein frischer Wind. Am Steg trafen wir Holländer, die staunten, dass wir diese Tour in so kurzer Zeit gelaufen waren. Pünktlich 18.00 Uhr fuhr das Tragflächenboot los und in 20 Minuten waren wir wieder in Listwjanka für einen Fahrpreis von 500 Rubel = 12,50 €.
Wir holten nochmals Geld und gingen zum Markt. Auf dem Fischermarkt aßen wir jeweils 4 Maultaschen (ähnlich wie Posie), tranken Bier dazu und einen Karottensalat mit Knoblauch. 19.30 Uhr brachen wir auf, es wehte ein kühler Wind, zu Hause duschten wir und zogen gleich die Schlafanzüge an, tranken ein Bier auf der Terrasse und ab 22.00 Uhr schliefen wir tief und fest.
Wir hatten alles richtig gemacht, denn der nächste Tag war regnerisch. Da wir anderntags abreisen mussten, fingen wir an zu packen und dann waren wir schon wieder müde und schliefen bis Mittag. Mittlerweile war das Wetter besser und wir liefen im Wald hoch zum Observatorium, konnten sogar das Gelände betreten, doch kein Mensch ließ sich sehen. Auf dem Weg nach unten sahen wir einen Pfad, den wir entlang gingen und der uns noch einmal die Schönheit dieser Landschaft bewusst machte. Am Ende war eine steile Klippe, von der es fast senkrecht in die Tiefe ging.
An diesem herrlichen Platz mit Blick zur nächsten Bucht machte dann Hansjörg noch einige Bilder mit Selbstauslöser und wir empfanden dies als wunderschönen Abschied von Listwjanka. Der Rückweg entlang des Ufers und der Strandpromenade zeigte jedoch auch noch einmal die Kehrseite des Tourismus. Immer wieder wilde Müllberge und zerbrochene Wodkaflaschen. An einer Infostelle fragte Sieglinde nach einem guten Restaurant. Wir fanden es auch nach einer halben Stunde Gehzeit direkt an der Hauptstraße. Die Bedienung war sehr freundlich und wir aßen Borschtsch, Hühnersuppe, Omul mit Salzkartoffeln und Weinsauce. Hansjörg aß Fisch (gut verpackt im Sahnemantel) in einem Pfännle und dazu eine Pirogge. Wir tranken Fassbier und bezahlten 1400 Rb. = 35 Euro. Dies war ein gelungener Abschluss für die Zeit in Listwjanka. Mittlerweile wurde das Wetter wieder richtig gut und wir gingen heim in der Hoffnung, dass die morgige Zugfahrt auch bei sonnigem Wetter stattfinden kann. Der Schlummertrunk mit Bier und Wodka ließ uns wunderbar einschlafen.
Am letzten Tag gab es schon um 8.00 Uhr Frühstück, neben uns saß eine Schweizerin, die im Auftrag ihres Reisebüros die gleiche Bahnfahrt buchte und sowohl Sibirien als auch die Mongolei und China anbieten möchte. Wir hatten für uns eine Extrareisebegleiterin, die perfekt Deutsch sprach. Unser Gepäck wurde direkt nach Irkutsk gefahren, somit hatten wir nur unser Handgepäck. Mit der Fähre fuhren wir nach Port Baikal. Dort hatten wir Aufenthalt, bis alle Gäste durch mehrmalige Fährfahrten am Bahnhof angelangt waren. Am Bahnsteig bettelten 2 Pferde und wollten laufend gestreichelt werden. Wir besahen uns das schön restaurierte Bahnhofsgebäude auch von innen, wo eine Ausstellung die Geschichte der Transsibirischen Eisenbahn im dortigen Bereich vermittelte. Man konnte sich Modelle ansehen und wir bewunderten die Pionierleistung der damaligen Zeit. Da diese 84 km lange Strecke bis Sludjanka die beiden Teile der Transsibirischen Strecke verband und durch den riesigen Aufwand zum weitaus teuersten Teilstück der Transsibirischen Eisenbahn wurde, bezeichnete man sie damals als „Goldschnalle“.
Arbeiter und Ingenieure aus der ganzen Welt, natürlich auch Zwangsarbeiter, bauten diese Trasse unter oft unmenschlichen Bedingungen. Die Arbeiten waren aufgrund der Hangsicherung lebensgefährlich, denn alles war natürlich handgemauert, so auch die 40 Tunnel, die mit Holzbalken abgesichert wurden. Die letzte Fahrt war im Jahr 1956, dann wurde der neu gebaute Staudamm bei Irkutsk geflutet, der See- Wasserspiegel dadurch angehoben und die Bahnstrecke Irkutsk-Port Baikal damit nicht mehr befahrbar. Die neue Bahnlinie ging über die Berge, die durch stärkere und elektrische Loks möglich wurde. Als Museumsbahn konnte die „Goldene Schnalle“ jedoch weiter befahren und entsprechend ausgebaut werden. Da die Bahnstrecke unmittelbar am Ufer des Baikalsees entlang führt, gab es für uns Reisende einige Haltestationen bei Traumwetter. Ausgiebig konnte man auch ein paar Tunnels besichtigen, jeder für sich ist ein handwerkliches Kunstwerk.
Die kleinen Ortschaften an der Strecke haben durch den Museumszug die Möglichkeit sich etwas Geld zu verdienen, durch Verkauf von Fischen, kleinen Speisen und Souvenirs. In einer Bucht konnte man auch baden, 2 Boote fuhren einige Gäste hinaus auf die See. Hansjörg durfte nach einem Obolus von 5 Euro an den Lokführer ca. 15 km vorne auf der Diesellok mitfahren, was natürlich ein ganz besonderes Erlebnis war. Das Wasser im Südzipfel des Sees besitzt keine Trinkwasserqualität mehr, da es noch eine Papierfabrik gibt, die ihr Abwasser in den See leitet. Zwar ist dies nicht zulässig, doch sie sind der Meinung, dass die Angara dieses Wasser aus dem See wieder ausleitet.
Wir wurden von unserer Reisebegleiterin sehr gut versorgt mit Tee, Brot, Wurst, Käse und selbst gebackenen Piroggen. In diesem Zug trafen wir einen Deutschen (Christian aus Dessau). Er ist bereits das 3. Jahr in Sibirien, jeweils für 3 Monate, und macht mit seinem Fahrrad namens Rasputin Touren. Er ist begeistert von der Gastfreundschaft der Russen. Nach jeder Reise bringt er ein Buch heraus und wir tauschten unsere Adressen aus. Ab Mitte September wollte er wieder in Deutschland sein.
Die Ankunft war gegen 19.00 Uhr in Sludjanka. Das Bahnhofsgebäude ist aus reinem Marmor erbaut und wunderschön. Damit hatten wir auch den südlichsten Teil des Baikalsees erreicht, der uns jedoch nicht so gut gefiel wie der Norden, denn am Wasser lagen überall Scherben und Dreck. Die Kirche mit vergoldeten Kuppeln wurde zurzeit restauriert.
Nach 20.00 Uhr ging die Fahrt mit einer E-Lok zurück über die Berge nach Irkutsk. In Serpentinen ging es die Berge hoch (800 m), so dass man noch mehrmals den Baikalsee erblicken konnte. Gegen Mitternacht kamen wir in Irkutsk an und ein Fahrer stand mit unserem Gepäck bereits da. Er fuhr mit uns ins Quartier unserer Gastfamilie Olga und Sergej. Der Hauseingang sowie Treppenhaus sah sehr abgewohnt aus und es stank, doch die Wohnung war gut ausgestattet mit einem Bad nach westlichem Standard. Die Verständigung mit Olga war auf Englisch, zur gleichen Zeit waren 2 Kanadier für 4 Tage bei ihr, sie machten eine Fahrt mit der Transsibirischen. Olga und Sergej wohnten in einer anderen Wohnung, so dass wir vier unter uns blieben.
Am anderen Tag machten wir mit den Kanadiern zusammen Frühstück und sprachen über unsere Reise. Danach unterhielten wir uns sehr gut mit Olga und gingen gegen 11.00 Uhr auf den Markt. Hansjörg bemerkte gleich die langen Verkaufsstände mit dem vielen Fleisch, das ausgelegt war oder teils ohne Schutz in Einkaufswagen angekarrt wurde. Der deutsche WKD hätte hier sicher einiges zu tun, aber in Sibirien gelten andere Gesetze. Wir kauften Pinienkerne, getrocknete Pilze und Gewürze. Auch probierten wir Smetana, eine cremige saure Sahne. Zuletzt kauften wir verschiedene Salate. Draußen gab es zahlreiche Verkaufsstände mit Erd- und Heidelbeeren. Da es jedoch ziemlich heiß war, brachten wir unser Gekauftes erst wieder zurück in unser Zimmer. Danach besichtigten wir die Stadt, die russischen Städte sind ja allgemein nicht so sehenswert. Irkutsk dürfte jedoch eine Ausnahme sein, es wurde sogar schon als das „Paris des Ostens“ bezeichnet. In manchen Straßen ist noch der alte Charme der noch bestehenden mit burjatischen Schnitzereien versehenen Holzhäuser sichtbar. In einem Park aßen wir unsere Salate und Fisch, besichtigten eine Kirche von innen, liefen zur Angara und zum Gagarin-Boulevard. Es war sehr heiß und wir tranken einen Eiskaffee, der jedoch wenig mit Eis zu tun hatte. Auf einer Insel in der Angara suchten wir Schatten auf einer Parkbank und begegneten dem Schweizer Paar von Listwjanka sowie unserem Österreicher von der Insel Olchon, der uns noch kurz vor einem herannahenden Gewitter zu einem echten Wiener Kaffee in der Innenstadt führte.
Dort bekamen wir die Speisekarte, leider verstand die Bedienung kein Englisch und gab sich auch mit uns keine Mühe – Schade! Wir bestellten einen trockenen Tafelwein aus Frankreich, Salat mit Fetakäse und dann Lachs mit einer Kaviarsoße. Da hier die Beilage fehlte, tranken wir noch einen Cappuccino mit Original Meindl Kaffee und Sachertorte. Es war alles sehr lecker unter Begleitung des Walzerkönigs Johann Strauß. Der Preis von 2.400 Rubel = 60 € war auch Original, eben wie im Wiener Cafe Stefansdom. Inzwischen regnete es ziemlich stark. Auf ein Taxi hätten wir 30 Min. warten müssen, so entschieden wir zu unserem Quartier zu laufen, packten noch unsere Sachen und tranken dabei unseren letzten Wodka.
Am letzten Tag klingelte der Wecker bereits 6.00 Uhr und es gab Frühstück mit Spiegeleiern und etwas Gemüse. Punkt 7.00 Uhr stand das Taxi vor dem Haus, es regnete und es hatte sich stark abgekühlt. Der Abschied von Olga war herzlich. Am Flughafen angekommen, waren wir irritiert, da unser Flug erst für 10.35 Uhr angezeigt wurde und allgemein ziemliche Aufregung am Flughafen herrschte. Wir unterhielten uns mit einem deutschen Studenten, der die gleiche Maschine nahm. Erst gegen 11.00 Uhr flogen wir ab. Sieglinde schlief gleich ein. Der Flug war ruhig, mit guter Sicht auf die unendlich weite Landschaft, jedoch wurden wir nicht informiert, ob die Anschlussflüge zu erreichen sind. Da unser Gepäck bis Frankfurt eingecheckt war, konnten wir uns auf das Umsteigen konzentrieren.
Auf dem Moskauer Flughafen waren viele Menschen und Sieglinde schloss sich einer Gruppe an, die sich anscheinend auskannte, Hansjörg ließ sie für einen Augenblick aus den Augen, weil er sich auf der Anzeigetafel nach unserer Flugnummer informieren wollte und schon war sie weg. Im Gedränge war sie nicht mehr sichtbar, was durch ihre „Größe“ auch nicht verwunderlich ist. So nahm das Drama seinen Lauf, alles hatten wir bis zuletzt super gemeistert, alles hatte auch wunderbar geklappt und nun dieses Finale. Sieglinde schlug sich dann durch bis zur Gangway 17, jedoch war das Flugzeug bereits weg und eine Auskunft, ob Hansjörg im Flugzeug sitzt, bekam sie nicht. Hansjörg hatte zwischenzeitlich auch eingecheckt, auch seine Nachfrage auf Englisch nach seiner Frau wurde nicht beantwortet. Zum Glück hatte jeder sein Flugticket in der Tasche. Es wurde ihm jedoch auch deutlich gemacht, dass das Flugzeug bereits abgeflogen war. Bei einer Infostelle innerhalb des Gates entdeckte Hansjörg plötzlich Sieglinde und konnte aufatmen, denn allein in Moskau ohne Russisch ist unmöglich. Keiner der Flugangestellten bemühte sich, uns zu helfen. Wir wurden immer wieder durch die Sicherheitsschleuse geschickt. Das bedeutete, dass wir laufend einen Stempel in die Pässe bekamen. Erst als wir keinen Schritt mehr weiter machten, erbarmte sich eine Flugangestellte der Sibirien Airline, nahm uns mit zum Schalter S7 und handelte mit der Lufthansa einen Platz für uns aus. Der Flug sollte dann um 14.00 Uhr sein, doch bei der Personenkontrolle ließen sich die Bediensteten wieder viel Zeit, so dass wir schon Angst hatten, auch diesen Flug zu verpassen. 10 Min. vor Abflug waren wir auf dem Gate.
Die Atmosphäre im Flugzeug war entspannt und wir waren erleichtert wieder deutsche Laute aus dem Bordlautsprecher zu hören. In Frankfurt angekommen gingen wir gleich zur Gepäckermittlungsstelle der Lufthansa und wurden freundlich bedient. Unsere Gepäckstücke waren nicht angekommen, so wurden alle Personalien festgehalten. Wir besorgten uns eine Fahrkarte und beschlossen 17.00 Uhr mit dem ICE zu fahren. Im Kaffee Keefer innerhalb des Flughafengeländes tranken wir ½ l Fassbier für 6 € (Preis wie im Hotel Baikal) und Hansjörg ließ sich zum Abschluss einen Whisky einschenken. Wir teilten uns ein Glas zum Preis von 9 € und unterhielten uns mit dem netten Barkeeper, einem sehr aufgeschlossenen gebürtigen Algerier.
18.10 Uhr, Ankunft Stuttgart Hauptbahnhof, S-Bahn 18.25 Uhr und mit dem Bus 18.50 Uhr in Uhlbach. Unser Freund Kurt fuhr gerade mit seinem Auto die Herrengasse hoch und freute sich uns zu sehen.
Das Ländle hat uns wieder!!
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Ende gut – Alles gut.
Was bleibt sind drei Dinge:
1. Die Fahrt ins Blaue mit der großartigen Natur und dem darin so häufig vorkommenden Blau, sei´s der Himmel, sei´s das Wasser. Dazu die von Menschen geschaffenen Blautöne unterwegs, in und an den Häusern und manchmal auch in den Menschen selbst.
2. Ohne Eisenbahn wäre dieses riesige Land bedeutungslos. Als im 18. Jahrhundert die Menschen mangels Zukunft in Württemberg nach Amerika und Russland auswanderten, war die erste Bahn zwischen Cannstatt und Untertürkheim mitentscheidend, dass die Industriealisierung hier im Ländle begann, die neue Möglichkeiten erschloss, von denen wir heute noch leben.
3. Die menschlichen Begegnungen waren das Beste. Die natürliche, ungekünstelte Herzlichkeit und Gastfreundschaft hat uns immer wieder stark beeindruckt. Ja und kein deutsches Bundesland hat so eine starke Bindung zu Russland, wie Baden-Württemberg, man denke nur an Königin Katharina. Obwohl der Unterschied zwischen unseren Völkern enorm groß ist, bleibt doch das uns alle Verbindende: Wir leben auf einem Planeten und die große Mehrheit der Menschen, jenseits der Politik, wollen auch untereinander in Frieden leben.
Deshalb zum Schluss nochmals einen Toast auf die deutsch-russische Freundschaft,
Nasdarowje, sehr zum Wohl


